29. Juni 2020

Mythos Zuckersucht – Warum Du nicht abhängig bist

Fragen, Intuitive Ernährung

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Das Gefühl, bei bestimmten Lebensmitteln nicht aufhören zu können, schwach zu werden, sich vollzustopfen oder nicht ohne sie leben zu können, lässt den Verdacht nahe liegen, dass es sich um eine Sucht handeln könnte. In den letzten Jahren wurden immer wieder Schlagzeilen laut, dass Zucker so abhängig macht wie Heroin und folglich Menschen mit einem Problem im Umgang mit zuckerhaltigen Lebensmitteln wie Abhängige behandelt werden müssen. Oberstes Gebot bei der erfolgreichen Behandlung von Abhängigen ist die konsequente Abstinenz vom Suchtstoff.

Folglich liegt der Verdacht nah, dass jemand mit einem Suchtproblem für Süßigkeiten oder Junk Food auch keinesfalls der Empfehlung folgen dürfte, alles zu erlauben und der Intuition zu folgen. In diesem Artikel zeige ich Dir, warum es sich bei Zuckersucht um einen Mythos handelt und Du nicht abhängig bist.

Zuckersucht – ja oder nein

Wenn selbst eine renommierte Universität wie die Yale University einen Fragebogen zur Diagnose von Lebensmittelsucht entwickelt, dann scheint es am Konzept ja keine Zweifel mehr zu geben, oder? Interessanterweise ist die Frage höchst umstritten. Eine unabhängige Untersuchung dieser Fragestellung, ob Lebensmittel bei manchen Menschen vergleichbare Suchtsymptome auslösen können, wie das die Klassiker Tabak, Alkohol und Drogen unbestritten tun, kam zu einem ganz anderen Schluss. Die Wissenschaftler untersuchten, ob sich die selbstbeobachtete Abhängigkeit von Lebensmitteln tatsächlich mit den klinischen Symptomen einer Suchterkrankung vergleichen lassen und schauten dabei besonders auf eins der Hauptmerkmale, den Entzug.

Auch wenn sowohl durch Lebensmittel als auch mittels Alkohol oder Drogen ein Hochgefühl ausgelöst werden kann, so unterscheiden sich Lebensmittel doch ganz deutlich in der Entzugswirkung. Ein Alkoholiker oder Drogenabhängiger braucht ab einem gewissen Punkt Nachschub nur noch, um die unangenehmen Entzugserscheinungen wie extremes Zittern, Herzrhythmusstörungen, Psychosen oder intensive Muskelschmerzen zu vermeiden. Das Hochgefühl tritt in den Hintergrund.

Doch selbst der hingegebenste Esser mit einem starken Drang nach Süßem oder anderen süchtigmachenden Lebensmittelns kann nicht mit annähernd intensiven Entzugssymptomen dienen. Eine Zuckersucht, so schließen die Wissenschaftler, scheint also mehr Mythos als Realität zu sein. Damit stellt sich die Frage, wieso viele Menschen glauben, dass sie süchtig nach bestimmten Lebensmitteln sind.

Indizien für eine Zuckersucht

Die Autorinnen Evelyn Tribole und Elyse Resch behandeln diese Frage kurz in ihrem neuen, bisher nur auf Englisch erhältlichen, Arbeitsbuch zur Intuitiven Ernährung. Sie weisen auf die einseitige Betrachtung dieses Themas hin, weil Studien entscheidende Faktoren nicht aus den Ergebnissen herausrechnen (wie es sich für eine gute Studie mit echter Aussagekraft eigentlich gehört).

Gern werden Studien herangezogen, die beweisen, dass die Aufnahme von Zucker die gleichen Belohnungs- und Genusszentren im Gehirn aktivieren wie es schwere Drogen tun. Was daran jedoch verschwiegen wird ist die simple Tatsache, dass Essen grundsätzlich für Menschen als genussvoll und belohnend erlebt werden soll. So stellt der Körper sicher, dass regelmäßig Energie zugefügt wird. Wenn die Nahrungsaufnahme für Lebewesen als unangenehm und nervig empfunden würde, dann wäre der Fortbestand der Art nicht gesichert. Und da Zucker die bevorzugte Nahrungsquelle für unser Gehirn darstellt, reagiert der Organismus natürlich auch entsprechend.

Ein weiterer vermeintlicher Beweis für eine Zuckerabhängigkeit oder Lebensmittelsucht ist der Zwang, bestimmte Lebensmittel zu bestimmten Gelegenheiten essen zu müssen. Popcorn im Kino? Schokolade auf der Couch? Kuchen zum Kaffee? Das kennen die meisten Menschen und viele finden es beschwerlich, dagegen anzukämpfen. Dahinter verbirgt sich jedoch nichts anderes als eine Pavlovsche Konditionierung.

Wenn ein äußerer Faktor (Kino/Couch) genügend oft mit einem essensbezogenen Reiz (Popcorn/Schokolade) verbunden wird, dann kann der äußere Faktor allein (ich bin im Kino/ich sitze auf der Couch) ausreichen, um zum Beispiel die Speichelsekretion und das Verlangen nach genau diesem Lebensmittel anzuregen. Man hat das Gefühl, man kann nicht anders, als jetzt Popcorn oder Schokolade zu essen. Ein Zeichen von Sucht? Überhaupt nicht. Es handelt sich schlicht und ergreifend um einfaches erlerntes Verhalten, das mit etwas Übung genauso wieder verlernt werden kann.

Vielleicht hast Du auch schon von Studien gehört die zeigen, dass Ratten sich am Zucker überfressen, während sie das an ihrem normalen Futter nicht tun. Ich kann mich noch erinnern, dass der Bericht darüber in mir den Eifer verstärkte, Zucker weitgehend aus unserem Haushalt zu verbannen. Dabei wird jedoch verschwiegen, dass dies nur auf Ratten zutrifft, die vorher für 12 Stunden nichts essen durften! Ratten in ihrem normalen Futterrhythmus hat man nicht dazu bekommen, sich am Zucker zu überfressen.

Schlussfolgerung

Spätestens jetzt sollte klar sein, dass das Problem nicht bei den Lebensmitteln liegt. Und das sage ich, obwohl Lebensmittel für höheren Konsum gezielt mit Blick auf den höchsten Genuss und das beste Mundgefühl entwickelt werden. Der langfristige Umgang mit dieser Art von Lebensmitteln ist einen extra Beitrag wert, doch trifft auch auf sie zu, dass sie nicht suchtauslösend sind.

Nicht zu unterschätzen ist dabei auch der Reiz des Verbotenen, beziehungsweise die Rebellion gegen Einschränkungen und die Überreaktion auf Verzicht. Mehr zu dieser Thematik findest Du hier.

Insofern ist eine konsequente Abstinenz gegenüber „kritischen“ Lebensmitteln nicht nur nicht notwendig, sondern sogar höchst kontraproduktiv. Denn das wirkliche Problem hinter der gefühlten Zuckersucht ist die künstliche Hungersnot, denen sich viele durch Diäten aussetzen. Dadurch wird das Gehirn auf möglichst schnelle, effiziente Energieaufnahme konditioniert, weil es nie weiß, wann die nächste Hungersnot (=Diät/Verzicht/Fasten/Enthaltung) hereinbricht. Stark zucker- und fetthaltige Lebensmittel sind dann DAS Mittel der Wahl, um sich zu wappnen.

Erst wenn Dein Körper durch regelmäßige nährstoffreiche Energiezufuhr davon überzeugt werden kann, dass keine Hungersnot mehr in Sicht ist, kann er sich entspannen und in den Normalzustand zurückschalten. Wenn Du Dir alle Lebensmittel erlaubst zu essen und Deinem Körper gibst, was er braucht (und nicht was Du meinst, das er jetzt haben müsste), dann wird der Zucker seinen Reiz verlieren.

Versprochen.

Praxis-Tipp: Überlege Dir, wie häufig Du Deinen Körper hungern lässt, bis Du ihm Nahrung gibst. Enthältst Du ihm eine Nährstoffgruppe teilweise oder ganz vor (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße)? Verbietest Du Dir (und damit Deinem Gehirn) Genuss?

Das nächste Mal, wenn Du Appetit auf etwas hast, dass Du Dir normalerweise nicht erlaubst, iss es und genieße es mit allen Sinnen.

Du darfst also aufatmen. Du bist kein Abhängiger, der für seine verbleibende Lebenszeit auf geliebte Lebensmittel verzichten muss. Wenn Du Frieden mit dem Essen schließst und Dich auf den Weg zurück zu einem natürlichen Essverhalten begibst, dann ist es nur eine Frage der Zeit. Du wirst zum Beweis dafür, dass Zuckersucht ein Mythos ist.

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