29. Juni 2020

Intuitive Ernährung und Abnehmen

Fragen, Intuitive Ernährung

4  Kommentar(e)

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Intuitive Ernährung und Abnehmen tauchen meist in einem von zwei Kontexten auf. Entweder Intuitives Essen wird zum erklärten Weg der Gewichtsreduktion oder Abnehmen wird zum Feind der engverbundenen Körperakzeptanz. In diesem Artikel zeige ich Dir, wie die Themen Intuitive Ernährung und Abnehmen entspannt zusammenpassen können. Das geschieht mit Hilfe eines Grundpfeilers von Einfach mal einfach: dem Vermeiden von Extremen.

Wenn Du Dich bisher noch nicht damit beschäftigt hast, dann empfehle ich Dir die folgenden Seiten als Einstieg in die Thematik Intuitiv Essen:

Falls Du Dich schon länger mit intuitiver Ernährung beschäftigst, wird die Frage nach dem Abnehmen unweigerlich aufgetreten sein. Und vielleicht stehst Du dem Thema sogar kritisch gegenüber. Oder Du hast mit intuitiver Ernährung begonnen in der Hoffnung, damit ein paar Kilo loszuwerden, doch so richtig tut sich nix.

Intuitive Ernährung als Diät

Wenn intuitive Ernährung als Abnehmmethode begonnen wird, dann zieht das oft einige Schwierigkeiten nach sich. Denn der Lernprozess des Intuitiven Essens geht deutlich schneller voran, wenn das Abnehmen nicht im Vordergrund steht. Der Hauptgrund dafür ist nach meiner Erfahrung, dass die Lebensmittelauswahl vom angestrebten Gewichtsverlust immer stark beeinflusst wird. Genau das kann jedoch in der Lernphase zurück zur körpereigenen Intuition ausgesprochen hinderlich sein.

Um wirklich frei von den externen Regeln und Beschränkungen zu werden und die leise Stimme des Körpers wieder wahrzunehmen, muss der Gedanke ans Abnehmen zunächst außen vor bleiben. Denn wie kann ich Frieden mit ehemals verbotenen Lebensmitteln schließen, wenn ich mir mit Blick auf das gewünschte Endresultat nur eingeschränkte Freiheit erlaube?

Intuition vs. Diät

Wenn das Abnehmen die erste Geige spielt, dann wird intuitive Ernährung schnell zur Diät. Das wiederum hat zur Folge, dass man nach Bauchlandungen mit „Ich fange morgen/am Montag/nach dem Urlaub wieder an…“ reagiert. Dann werden Hunger und Sättigung zu Regeln und Übertretungen bringen genau wie bei jeder anderen Diät die bekannte Reaktion „Jetzt ist auch alles egal, dann ess ich eben weiter.“

Dazu kommt, dass der Fokus auf das böse Übergewicht wenig hilfreich ist. Übergewicht ist nicht zwangsläufig ein Indikator für mangelnde Gesundheit. Zum anderen ist das Akzeptieren der eigenen „Makelhaftigkeit“ ein Kernbestandteil dieses Lernprozesses. Denn wie soll ich meinem Körper vertrauen und liebevoll auf seine Befürfnisse eingehen, wenn ich nichts als Verachtung für ihn empfinde? Ich muss mich mit meinem Jetzt-Körper zumindest soweit anfreunden, dass meine Lebensfreude nicht der Abhängigkeit von Kleidergrößenschildern unterworfen bleibt.

Körperakzeptanz und Abnehmen

Ich halte es für eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung, dass die Themen Fat Shaming und Diskrimination von Übergewichtigen endlich angesprochen werden. Im 21. Jahrhundert ist es unter unserer Würde, wenn Bevölkerungsgruppen derart offen belächelt, ausgegrenzt und schamlos diskriminiert werden. Insbesondere die Verachtung, die Übergewichtigen bei Arztbesuchen entgegenschlägt und für eine qualitativ schlechtere Behandlung sorgt, ist unzumutbar.

Leider hat sich bei Ärzten und medizinischem Personal noch immer nicht herumgesprochen, dass Diäten langfristig nicht funktionieren. Und so werden noch immer Menschen mit großem Körper aufgrund angeblich mangelnder Disziplin zur Person zweiten Grades und nicht nach den gleichen Maßstäben behandelt, wie jemand ohne großes Übergewicht. Insofern begrüße ich die Körperakzeptanzbewegung auch über die Intuitive Ernährung hinaus von ganzem Herzen.

Doch leider wirkt in dieser Thematik auch jeder gewünschte Gewichtsverlust wie ein Verrat an den Idealen.

Ganzheitlichkeit mit Intuitiver Ernährung und Abnehmen

Zur Ganzheitlichkeit gehört für mich inzwischen auch, den Wunsch nach einer Gewichtsabnahme nicht zu unterdrücken, ignorieren und als falsch abzustempeln. Genaugenommen glaube ich, dass diese unterschwellige Botschaft viele von der Flucht aus der Diätenfalle abhält. Deshalb ist es so wichtig, auch das Thema Abnehmen als Teil vieler Menschen zu akzeptieren und im Rahmen eines geheilten Essverhaltens diätfrei zu erforschen.

Das Mitgefühl macht es erforderlich, alternative Wege für alle die aufzuzeigen, die unter ihrem Gewicht leiden. Zum einen ist der Wunsch nach veränderter äußerer Erscheinung nichts, wofür man sich schämen müsste. Doch insbesondere wenn das Übergewicht zu Einschränkungen im Alltag führt, kann ich von niemandem fordern, sich damit einfach abzufinden.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel beschwerlicher manche Alltäglichkeiten mit einem 30 Kilo schwererem Körper sind. Bequem sitzen, besonders auf dem Boden, Dinge aufheben und die Beine nicht überschlagen zu können sind dabei nur Kleinigkeiten.

Insofern ist es mit Größe 40 relativ leicht, sich im Zuge der Körperakzeptanz mit dem Status Quo meines Körpers anzufreunden. Auch wenn er weit von den internen und externen Schönheitsidealen entfernt sein mag, es lässt sich prima aushalten. Doch ich weiß, dass ich mit Größe 48 Schwierigkeiten mit der Akzeptanz gehabt hätte.

Abnehmen ohne Diät

Das heißt nicht, dass es unmöglich wäre, sich in einem größeren Körper wohlzufühlen und den Wunsch nach einer Gewichtsreduktion komplett abzulegen. Es gibt jede Menge Vorreiter in diesem Bereich, die sehr schön zeigen, dass auch große Körper wunderschön sind und tragen dürfen, was sie wollen.

Doch nicht jeder Mensch ist dazu in der Lage. Deshalb halte ich es für unrealistisch und auch ein bisschen hartherzig, diese emotionale Meisterleistung zum Standard zu erheben. Und somit empfinde ich es als durchaus gerechtfertigt, wenn man Wege zum diätfreien Abnehmen auslotet. Immerhin gibt verschiedene Ansätze, die auch ohne Ernährungsregeln die Rückkehr zum natürlichen Wohlfühlgewicht möglich machen:

Zum einen reguliert das Hören auf Hunger und Sättigung mit der Zeit die Menge an Nahrungsaufnahme. Durch die Bewältung negativ-emotionaler Essensauslöser erfolgt irgendwann eine geringere Zufuhr an nicht benötigter Energie. Der Abbau von Stress im Alltag und ein stärkerer Fokus auf Selbstfürsorge tragen ebenso ein Puzzleteil zum Abnehmen ohne Diät bei. Und schließlich gibt es noch Methoden, die an den unterbewussten Vorteilen von Übergewicht ansetzen.

Vorteile des Übergewichts

Es gibt eine Menge Hinweise darauf, dass erlebtes Trauma nicht selten durch „ein dickes Fell“ bewältigt wird. Besonders Frauen mit Missbrauchserfahrungen erleben in den Jahren danach eine Gewichtszunahme. Das mag zum einen an vermehrtem emotionalen Essen und der Stressreaktion im Körper liegen (die für sich genommen eine Gewichtszunahme begünstigt).

Doch das Unterbewusstsein scheint auch eine Rolle zu spielen. Indem es Schlanksein mit Gefahr gleichsetzt, wird Übergewicht zur Rettung. Das bewusste Ich mag sich noch so sehr gegen das Übergewicht wehren – wenn das Unterbewusstsein es für den sichersten Weg durchs Leben hält, dann braucht dieser Teil der Psyche Überzeugung.

Diätfreie Ansätze entdecken

Falls Du Dich in der Situation wiederfindest, dass der Wunsch abzunehmen einfach nicht weichen möchte, dann hast Du jedes Recht der Welt zum Experimentieren. Erwiesenermaßen bringen Diäten und Ernährungsregeln langfristig nichts außer wachsendem Übergewicht und eingeschränkter Lebensfreude. Deshalb schlage ich folgende Schritte vor:

  1. Da beschränkende Diäterfahrungen bei den meisten Menschen ihre Spuren im Essverhalten hinterlassen haben, sollte der erste Schritt auf jeden Fall hin zu einem natürlichen Essverhalten führen.
  2. Schau Dir im Zusammenhang damit die Auslöser des emotionalen Essens genauer an.
  3. Zudem empfehle ich Dir trotz allem Abnehmwunsch, Dich jetzt ins Leben zu stürzen und alles zu tun, was Dir hilft Dich wohler zu fühlen.
  4. Entdecke Möglichkeiten der Selbstfürsorge und Stressreduktion im Alltag, um die Stresshormonlevel im Körper zu senken.

Wenn Du an diesen Punkten bereits arbeitest und vielleicht schon ungeahnten Frieden und Freiheit entdeckt hast, dann können die folgenden Ansätze weiterführen:

  • Visualisierung
  • Klopfakupressur
  • Nährstoffmangel ausschließen
  • Gewohnheiten eines gesunden Lebensstils einüben
  • Mind over Body Ansätze
  • Autosuggestion
  • Professionelle Behandlung von emotionalem Trauma

Für konkrete Startpunkte bei Deiner Suche empfehle ich Dir meine Liste „21 Bücher zu Intuitiver Ernährung„.

Einblick in meine Geschichte

Ich habe mich lange gefragt, warum ich die einst verlorenen 30 Kilo nicht wieder zugenommen habe, wie das bei Diäten eigentlich üblich ist. Inzwischen weiß ich, dass in diese Zeit auch die Bewältigung großer Stressfaktoren fiel. Als Frau mit Missbrauchserfahrungen in der Kindheit brachte es eine entscheidende Wende, mich endlich sicher zu fühlen. Zusammen mit neuen Gewohnheiten, einer völlig neuen Lebenssituation und einer ungeahnten Freude an schöner Bewegung schien mein Körper keine Überzeugung zu benötigen.

Dennoch lebte ich weitgehend mit dauerhaften Beschränkungen, einem gestörten Essverhalten und dem schlimmen Teufelskreis von Fressanfällen und Selbstkasteiung. Vom verschobenen Körperbild und der Selbstverachtung mal ganz abgesehen. Ich möchte darum auch die Freiheit und Lebensfreude durch Intuitive Ernährung nie wieder hergeben, denn meine Lebensqualität steigerte sich um 2000%.

Im Interesse völliger Offenheit kann ich Dir sagen, dass ich mich mal mehr und mal weniger mit diätfreier Gewichtabnahme beschäftige. Manchmal kommt die Neugier hoch, wie sich das Leben wohl mit einem ganz flachen Bauch anfühlen mag. Im Unterschied zu früher ist damit jedoch weder Drang noch Verzweiflung verbunden. Denn ich weiß: Auch wenn ich für den Rest meines Lebens mit ein paar Kilo extra (und Röllchenbauch) behaftet bleibe, es hat keinen Einfluss auf meine Lebensfreude. Und ich bleibe lieber so wie ich bin, als mich nochmal in die qualvolle Hölle des gestörten Essverhaltens zu begeben.

Fazit

Mein Anliegen mit diesem Artikel ist, Dich erleichtert aufatmen zu lassen. Du musst Dich nicht zwischen Abnehmen und Intuitiver Ernährung entscheiden. Du musst Dich auch nicht zwischen Körperakzeptanz und Lebenserleichterung entscheiden. Wenn Du beschließt, dass Du keinen weiteren Euro in das Thema Abnehmen investieren möchtest, dann ist das genauso richtig wie das Experimentieren mit unterschliedlichen Methoden. Schau auf Deine Bedürfnisse und begegne ihnen liebevoll.

Meine Empfehlung für’s Experimentieren lautet: Entwickle einen feinen Radar für enge Ernährungsregeln und entscheide Dich für die Freiheit, sobald Du innerhalb eines Programms damit konfrontiert wirst. Sobald sich etwas nach Diät anfühlt, such Dir die hilfreichen Aspekte heraus und lass den Rest liegen. Folge Deinem Bauchgefühl. Deine Intuition wird Dich leiten.

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  1. Liebe Heidi,

    ich habe noch nie einen Kommentar zu einem Artikel geschrieben. Dies ist also mein erster.
    Warum tue ich das? Weil ich Dir für Deine Offenheit und Deine Geschichte danken möchte. Du sprichst mir aus der Seele mit
    deiner Beschreibung des intuitiven Essverhaltens. Ich hoffe, dass viele diesen überaus hilfreichen Artikel lesen und es würde mich sehr freuen, wenn irgendwann unsere Gesellschaft übergewichtigen Menschen ohne Vorurteilen begegnen würde.
    Herzliche Grüße, Claudia

    1. Liebe Claudia,
      Wow, vielen, vielen Dank für Deinen Kommentar. Er hat mich sehr bewegt und mir gezeigt, dass sich das Risiko, über dieses kontroverse Thema zu schreiben, bereits gelohnt hat.
      Ganz liebe Grüße,
      Heidi

  2. Was für ein enorm wertvoller, ehrlicher, echter, berührender Artikel – der natürlich sofort von mir geteilt wird. Ich bin auf diesen Artikel gestossen auf der Suche nach, ist intuitives Essen möglich, solange wir noch im Stress sind. Damit meine ich unseren Zellstress. Wie weit kann ich meiner Intuition vertrauen, wenn meine Systeme weit von reguliert sind.
    Dein Impuls btr. intuitiv im Hinblick auf die Gewichtsabnahme ist so was von spannend und eigentlich total logisch

    Ich wurde gerade als reaktiver Esser entlarvt ;-). Und bin aktuell in einem proaktiven Essverhalten. Sprich, ich esse, was ich essen soll, um nicht ins reaktive Essen zu fallen. Intuition ist im aktuellen Stadium nicht gefragt, ich esse also auch ohne Hunger, dafür darf ich ohne Attacken sein.

    Hunger in einem stressüberfluteten Körper ist ja wohl auch mit Vorsicht zu geniessen.

    Ich denke die Lösung liegt irgendwo dazwischen. All eine Impulse, die Intuition zu stärken, während wir vielleicht einem proaktiven Essverhalten nachgehen um schlussendlich in eine wahre Entspannung zum Thema und in den Zellen zu gelangen.

    Werde auf alle Fälle noch biz weiter über deine Seite surfen 🙂

  3. Hallo liebe Heidi,

    danke für den tollen Artikel und vor allem für deine Offenheit im Umgang mit einem, für viele sehr sensiblen Thema.

    Völlig recht hast du damit, dass man intuitives Essen nicht als Abnehmmethode ansehen darf. Man muss sich hierbei im Klaren darüber werden, dass es um das eigene Wohlfühlgewicht geht, das bei jedem individuell ist und das man dieses eben ohne Diäten usw. erreicht bzw. hält. Ich denke, dass viele das Abnehmen meist zu sehr in den Vordergrund stellen und anschließend enttäuscht sind, wenn die Kilos nichts purzeln. Das neue Lebensgefühl, ohne Kalorienzählen entdecken viele erst im zweiten Schritt, wissen dieses dann aber – zum Glück – oft sehr zu schätzen.

    Intuitive Ernährung ist keine Diät sondern eine Befreiung auf dem Diätwahn….

    Liebe Grüße
    Lisa

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